HL7 Mitteilungen
Die aktuelle Ausgabe

Nummer: 26

Jahrgang 2010
09. April 2010
Auflage: 800

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Was ist HL7?
In diesem Text können Sie nachlesen:

Was kann man sich unter "HL7" vorstellen?
Wie sieht HL7 nun im Einzelnen aus, wie genau ist es strukturiert?
Was sind Z-Segmente?
 

Was kann man sich unter "HL7" vorstellen?
"HL7" ist eine Abkürzung und steht für "Health Level Seven". HL7 hat seinen Ursprung in den USA genommen, wo es nach einem ersten Treffen an der Universitätsklinik in Palo Alto 1987 in seiner ersten Version entwickelt wurde. Mittlerweile hat sich eine kommerzielle Organisation gebildet (http://www.hl7.org), die HL7 heute in der Version 2.3 (veröffentlicht 1996) vertreibt und gleichzeitig die "Dachorganisation" aller HL7-Benutzer ist und deren Aktivitäten koordiniert.

Was aber ist HL7? Zunächst einmal: HL7 ist kein Computerprogramm oder Computersoftware. Trotzdem dreht sich HL7 um elektronische Datenverarbeitung und den elektronischen Austausch von Informationen. HL7 ist im Grunde genommen eine genaue, sehr detaillierte Arbeitsanleitung. Dazu ein Beispiel:

Patient A befindet sich im Krankenhaus. Es wurde eine Blutuntersuchung durchgeführt. Im Labor des Krankenhauses wurden die Untersuchungsbefunde erhoben, die nun dem Stationsarzt mitgeteilt werden sollen. Das Labor verfügt über eine eigene EDV-Anlage, mit der die Untersuchungsergebnisse verwaltet werden. Das Computersystem auf der Station soll nun die Befunde der Blutuntersuchung von Patient A anzeigen. Dazu müssen die Ergebnisse vom Laborrechner auf den Computer des Stationsarztes überspielt werden. HL7 ist nun eine Vorschrift, an die das Labor sich halten kann, wie genau die Untersuchungsergebnisse auf dem Weg zum Computer des Stationsarztes zu übertragen sind. Dazu muß z. B. festgelegt sein, daß z. B. der Nachname zuerst, dann der Vorname, erst der Geburtsmonat, dann der Geburtstag usw. übermittelt werden soll. Ist die Nachricht (hier: der Befund) nach den Regeln von HL7 kodiert, kann der Empfänger die Nachricht verstehen, weil genau festgelegt ist, was was ist und was an welcher Stelle zu stehen hat.

Im wahren Leben ist dies alles natürlich viel komplexer. Es geht nicht nur um Namen und Geburtsdatum. Außerdem gibt es neben dem Labor und der Station eine Vielzahl verschiedener Stellen, die miteinander kommunizieren und Daten austauschen. Je komplexer das Netz ist, desto wichtiger ist aber eine Vorschrift, die man benutzen kann, damit die Verständigung reibungslos abläuft. Diese Aufgabe erfüllt HL7.

Wie sieht HL7 nun im Einzelnen aus, wie genau ist es strukturiert?
Grundsätzlich muß unterschieden werden zwischen der "Abstract Message Definition" und den sogenannten "Encoding Rules". Erstere beschreibt die grundlegende Struktur einer Nachricht. Versteht man unter einer Nachricht z. B. einen deutschen Satz, würde die "Abstract Message Definition" festlegen, daß dieser Satz aus Worten zu bestehen hat und daß er mindestens ein Subjekt und ein Prädikat enthalten muß (Syntax). Aufgabe der "Encoding Rules" ist es, Rechtschreibregeln festzulegen. Ebenfalls in den "Encoding Rules" ist festgelegt, daß der Beginn eines Satzes durch ein großgeschriebenes Wort, das Satzende durch einen Punkt gekennzeichnet wird. Die "Encoding Rules" bestimmen, wie die in der "Abstract Message Definition" festgelegte Struktur "zu Papier" gebracht werden kann.

Im Folgenden sei die Struktur einer HL7-Nachricht beschrieben:
Eine Nachricht besteht aus einzelnen Segmenten, diese wiederum aus Feldern:

Für verschiedene Aufgaben sind nun in HL7 verschiedene Segmente definiert worden, die wie ein Baukastensystem zu maßgeschneiderten Nachrichten zusammengesetzt werden können. Die verschiedenen Nachrichten, die sich so zusammensetzen lassen, sind nun ebenfalls in Gruppen sortiert. Beispielsweise wurden solche Nachrichten zusammengefaßt, die sich mit administrativen Patientendaten befassen. Die Nachrichten einer anderen Gruppe dienen z. B. der Mitteilung von Bestellungen, wieder eine andere Gruppe dient der Mitteilung von Untersuchungsbefunden. Dazu ein Beispiel:

In der Gruppe "Administrative Patientendaten (ADT)" sind verschiedene Nachrichten zusammengefaßt:

  • Nachricht zur Übermittlung der Aufnahme eines Patienten (Nachricht "A01")
  • Nachricht zur Übermittlung der Verlegung eines Patienten (Nachricht "A02")
  • Nachricht zur Übermittlung der Entlassung eines Patienten (Nachricht "A03")

usw.

Für diese Nachrichten stehen verschiedene Segmente zur Verfügung, aus denen sich alle Nachrichten dieser Gruppe zusammensetzen. Alle Segmente tragen Namen, die aus drei Buchstaben bestehen. Manche Segmente werden in Nachrichten verschiedener Gruppen benutzt, andere beschränken sich in ihrer Anwendung auf eine Gruppe. Einige Beispiele:

  • MSH: "Message Header Segment"
    Dieses Segment steht am Anfang jeder HL7-Nachricht
  • PID: "Patient Information"-Segment
    Dieses Segment dient der Übermittlung persönlicher Daten des Patienten (Name, Geburtsdatum usw.). Es kann zum Beispiel für Nachrichten der ADT-Gruppe verwendet werden.
  • NK1: "Next of Kin"-Segment
    Dieses Segment dient der Übermittlung von Daten über Angehörige. Es kann zum Beispiel für Nachrichten der ADT-Gruppe verwendet werden.

usw.

Wie oben bereits gesagt, bestehen solche Segmente aus einzelnen Feldern. Am Beispiel des PID-Segmentes sieht dies so aus:

Feld-Nummer Datentyp im Feld Inhalt des Feldes

 1

  interne Nummer dieses PID-Segmentes

 2

  externe Patientenidentifikationsnummer

 3

  interne Patientenidentifikationsnummer

 4

  alternative Patientenidentifikationsnummer

 5

  Name des Patienten

 6

  Geburtsname des Patienten

 7

  Geburtsdatum des Patienten

 ...

   

Das PID-Segment besteht noch aus weiteren Feldern. Für diese Felder sind eine Nummer (Reihenfolge!), Länge und Inhalt festgelegt. Außerdem sind Typ und Format der Daten definiert. So stehen im Feld "Geburtsdatum" nur Zahlen, nicht etwa Worte wie "Juni" usw.

In der "Abstract Message Definition" ist festgelegt, aus welchen Segmenten eine Nachricht zur Übermittlung der Aufnahme eines Patienten zu bestehen hat. Die Segmente selbst mit ihren Feldern sind ebenfalls genau beschrieben. Nun kann man eine Nachricht "A01-Aufnahme eines Patienten" korrekt zusammensetzen. Sie besteht u. a. aus den folgenden Segmenten:

MSH

EVN

PID

NK1

PV1

usw.

Den Inhalt dieser einzelnen Segmente über das oben Gesagte hinaus zu erläutern würde zweifellos den Rahmen dieser kurzen Einführung sprengen. Interessierte seien auf unsere Broschüre verwiesen. Nun bleibt lediglich noch die Aufgabe der "Encoding Rules" näher zu erläutern.

In den "Encoding Rules" wird festgelegt, welche Zeichen zur Trennung der einzelnen Felder eines Segmentes verwendet werden sollen. Dies kann z. B. durch das Zeichen " | " geschehen. Wenn innerhalb eines Feldes Begriffe voneinander getrennt werden müssen (wie verschiedene Komponenten eines Namens), muß dies ebenfalls durch Zeichen geschehen, die in den "Encoding Rules" festgelegt werden, z. B. " ^ ".

Es folgt nun der Anfang eines fertig ausgefüllten PID-Segmentes (siehe Tabelle oben) aus einer "A01-Aufnahme eines Patienten"-Nachricht (schwarz) mit Erläuterungen (rot):

Was sind Z-Segmente?
HL7 ist ein internationaler Standard, der ANSI (American National Standards Institute) Mitglied und jetzt auch Teil der von den Vereinten Nationen verwalteten ISO - Standardisierung ist. Das bringt den Vorteil größtmöglicher Vereinheitlichung der Kommunikation mit sich. Dies wiederum hilft Missverständnisse zu vermeiden.

Zu weit gehende Vorschriften können aber auch ungünstig sein. So gibt es in jedem Land, in dem HL7 verwendet wird, ganz spezielle Bedürfnisse, auf die ein global einheitlicher Standard nur unvollständig eingehen kann. Deutsche Krankenkassen verlangen bekanntlich zur Abrechnung Spezialinformationen, die in anderen Ländern unerheblich sind und für die HL7 in seiner Standardfassung kein Übertragungskonzept vorsieht. Daher ist es Aufgabe von nationalen Benutzergruppen, zusätzlich zu den schon von HL7 in seiner Standardfassung vorgegebenen Nachrichtentypen und Segmenten zusätzliche, landesspezifische Segmente zu definieren, die auf solche Detailprobleme eingehen können. Diese Segmente werden Z-Segmente genannt.

Auch die deutsche HL7-Benutzergruppe hat Z-Segmente definiert. Eine Auswahl dieser deutschen Z-Segmente können Sie auf unserer Hompage nachlesen (http://www.hl7.de/zregister/zregister.html). Die internationalen Benutzergruppen tauschen sich natürlich über landeseigene Z-Segment-Definitionen aus. Dies hat zwei Gründe: Zum einen soll auch landesübergreifend mit Z-Segmenten kommuniziert werden können, wenn die Situation dies erfordert. Außerdem kann es sein, daß manche ursprünglich landesspezifischen Z-Segmente allen HL7-Benutzern sinnvoll erscheinen und dann nachträglich Bestandteil des internationalen Standards werden.

Das Entwickeln von Z-Segmenten ist aber nicht die einzige Aufgabe der deutschen HL7-Benutzergruppe. Wenn Sie Interesse haben, können Sie über die Aufgaben der deutschen Benutzergruppe auf dieser Site Näheres nachlesen.

 
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