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Bericht über Sydney (2011/1)

Bericht über das Working Group Meeting in Sydney Januar 2011

Frank Oemig (Ed.), Bernd Blobel, Christof Geßner, René Spronk, Sylvia Thun

Das Working Group Meeting in Sydney hat mehr als 320 Besucher nach Down-Under geführt, darunter viele Teilnehmer aus Australien, Neuseeland und Asien, die zum ersten Mal dabei waren oder sonst selten kommen sowie zahlreiche jüngere Mitarbeiter von Softwarefirmen, die die Schulungsmöglichkeiten nutzen konnten.

Allgemeines

Soweit die Gruppen getagt haben, wurde von einem erfolgreichen Meeting berichtet, d.h. es gab Quorum, so dass eine Beschlussfähigkeit vorlag. Allerdings haben eine Reihe von Komitees auch einen "Acting-Co-Chair" bestimmen müssen, da keiner der regulären Co-Chairs anwesend war.

Von "deutscher" Seite waren diesmal Bernd Blobel, Christof Geßner, Beat Heggli, Alexander Mense, Frank Oemig, Stefan Sabutsch und Sylvia Thun vertreten – wenn man hier alle deutschsprachigen Vertreter auflisten möchte.

An dieser Stelle sei HL7 Australia gedankt, die das Meeting einschließlich der kompletten finanziellen Verantwortung ausgerichtet haben. Da das internationale Treffen in Zukunft von dem jeweiligen Affiliate ausgerichtet werden soll, wird dies eine besondere Herausforderung werden, die sich nicht jedes Affiliate stellen möchte.

Als neue Affiliates stehen Vietnam, Puerto Rico, Bosnien-Herzegowina und Bangladesh vor der Gründung.

Das neue Affiliate Agreement

... dürfte der wichtigste Punkt für dieses Meeting insgesamt gewesen sein, hat es doch zu kontroversen Diskussionen geführt. Wie bereits auf der letzten Mitgliederversammlung erwähnt wurde letztes Jahr ein neues Agreement ausgearbeitet, das HL7 International noch weiter auf internationale "Füße" stellen soll.

Nach intensiver Durcharbeit – hier besonderer Dank an Bernd – kam man zu dem Entschluss, den neuen Vertrag in dieser Form nicht zu unterschreiben. Um unseren Forderungen mehr Gewicht zu geben wurde hierzu Kontakt mit den Nachbarländern aufgenommen und dafür gesorgt, dass dieses Thema auf dem International Council in einer größeren Runde besprochen werden muss. Nachdem die wichtigen Punkte vorgestellt waren, wurde das neue Agreement von fast allen Affiliates (außer USA und NL) abgelehnt. Damit bleibt das alte Agreement bis Ende 2011 weiter in Kraft und es wird ein neuer Entwurf ausgearbeitet.

Joint Initiative Council (JIC) und HL7 Europe

Die Website des JIC unter http://www.jointinitiativecouncil.org/ ist modernisiert worden.

Besonders hervorzuheben ist, dass das EU-Büro von HL7 Europa mit Sitz in Brüssel eröffnet wurde (http://www.hl7.eu/). Eine Kooperation mit den nationalen eHealth-Standards-Gruppen wird gesondert hervorgehoben (www.ehealth-standards.de). HL7 Europa nimmt an der European High Level Governance Initiative (eGHI) und an ersten EU-Projekten wie epSOS II teil. Das epSOS Projekt rückt immer mehr in den Fokus des Interesses. Die Beziehung zwischen den verschiedenen europäischen Affiliates und HL7 Europa sowie das Mandat von HL7 Europa allgemein wird noch diskutiert.

Technische Inhalte und Details zum ISO-Standard zu OIDs wurden vorgestellt. 

Education

HL7 International bietet kostenfreie Webinare an, die unter anderem  von HL7 Deutschland über Dr. Kai Heitmann bestritten werden. Hiermit soll neuen Mitgliedern der Einstieg in den HL7 Standard erleichtert werden.

Patient Administration: Encounter Project

PA hat beschlossen, das Material zum "Encounter Topic" zu vereinfachen. Details können nachgelesen werden unter http://wiki.hl7.org/index.php?title=PA_Patient_Encounter

Das „Encounter Topic“ ist nicht sonderlich weit verbreitet, da HL7 V3 auf die intersektorale Kommunikation spezialisiert ist, wo "Encounter" kaum eine Rollen spielen. Daher hat es in Ländern ohne HL7 v2 – wie Dänemark oder Norwegen – eine besondere Bedeutung. Die Vereinfachung resultiert aus den Erfahrungen dieser Länder mit diesem Thema.

SAIF

Das Architecture Board (ArB) macht anscheinend keinen großen Fortschritt mit SAIF, dem neuen Services-Aware Interoperability Framework. Vielleicht liegt das an der Denkweise, die bei einigen amerikanischen Unternehmen nicht akzeptiert wird.

ECCF steht für das "Enterprise Compatiblity and Conformance Framework". Es ist Bestandteil von SAIF. Innerhalb der Arbeitsgruppe ICWG gab es hierzu eine Reihe von Bedenkungen, was die interne Ausrichtung der Architektur angeht. So ist das ArB der Meinung, die Implementierungsaspekte unterhalb aller anderen Strukturen, quasi orthogonal auszurichten. Diskutiert wird daher eine lineare Ausrichtung, die dann auch in Harmonie mit dem RM-ODP ist.

Darüberhinaus gibt es Klärungsbedarf bezüglich der genutzten Terminologie, da Referenzen auf Arbeiten von ICWG falsch wiedergegeben worden sind. Insgesamt ist hier relativ viel Zeit benötigt worden, ohne relevanten Fortschritt zu erzielen.

Orders & Observations hat ein großes Interesse daran, mit dem SAIF Behavioral Framework weiterzukommen, insbesondere um komplexere Abläufe spezifizieren zu können.

Conformance in HL7 v2.8

Für die nächste Version HL7 v2.8 sind eine Reihe weiterer Vorschläge eingereicht worden, die die Spezifikation und auch das spätere damit verbundene Testen vereinfachen soll. Hierzu zählen zum Beispiel die Festlegung von Details bei Wiederholungen von Feldern sowie das Auslagern von Tabellen in separate Libraries, so dass eine Wiederverwendung vereinfacht wird.

ICWG und Tooling: MWB

In einem eigenen Joint-Meeting mit Tooling wurde über das Problem der Messaging Workbench gesprochen. Grundsätzlich handelt es sich hier um ein wertvolles Werkzeug für die Definition von und die Arbeit mit Nachrichtenprofilen in Version 2. Problematisch ist hier allerdings, dass die Pflege nur von einer einzigen Person sichergestellt wird. Hier wird gemeinsam von ICWG und Tooling an einer Strategie überlegt, dieses in ein offizielles Projekt zu überführen.

ICWG und RIMBAA

RIMBAA beschäftigt sich primär mit Implementierungen des HL7 V3 RIM. Der Arbeitsschwerpunkt von ICWG hingegen liegt derzeit auf Konformitätsfragen und Profilierung. Daher wurde diskutiert, ob RIMBAA nicht alle Implementierungsaspekte übernehmen soll. Hierzu wird es weitere Diskussionen und dann auch ein neues Mission & Scope Statement von beiden Gruppen geben. RIMBAA müsste dann allerdings auch seinen Namen ändern.

HL7 v2.7

Nachdem die letzten negativen Kommentare zurückgezogen wurden (aufgrund der Befürworter ist eine Korrektur der Probleme nicht zu erwarten), werden in letzten Tests noch kleinere Schönheitsfehler behoben, so dass die endgültige Veröffentlichung in Kürze zu erwarten ist.

"Binding Syntax" für Implementierungsleitfäden

Ein weiterer Punkt war die Diskussion um die Formulierung von Vokabularbindung in Implementierungsleitfäden. Hierzu gibt es eine Wiki-Seite, auf der die notwendigen Aspekte beschrieben sind und für die englische Sprache ein Vorschlag zur Formulierung gemacht. Dieser Vorschlag ist informativ, so dass man sich nicht dran halten muss, aber gut damit beraten wäre.

Für weitere Sprachen wären die Vorgaben auf der Seite zu hinterlegen. Für "deutsch" ist hier ein Anfang gemacht.

Vocabulary

Ein neues Lizenzmodell wird zurzeit in der Vocabulary Gruppe erarbeitet. Es sollen sowohl die Software zur Pflege von Terminologien (Terminologieserver) als auch die Terminologien selbst nicht mehr in HL7 durchgeführt werden. Erste Überlegungen ergaben, dass die meisten Mitglieder von HL7 auch Mitglied der IHTSDO sind und eine Zusammenarbeit mit der IHTSDO äußerst erwünscht ist.

So stellte die Gruppe fest, dass der Terminologieserver „Workbench“ der IHTSDO und die Terminologie Snomed CT der IHTSDO den Ansprüchen der HL7 Gruppe in jeder Hinsicht genügen. Man schloss einen Vorvertrag ab.

Durch Intervention von Deutschland und Brasilien konnte dieser Vorstoß auf dem WGM in Sydney verhindert werden. Die jetzigen Lizenzbedingungen der IHTSDO lassen keine Nutzung des Werkes und der Software für Nicht-Mitgliedstaaten zu. Die logische Konsequenz wäre dann, dass auch der HL7 Standard nur noch für Mitglieder der IHTSDO anwendbar wäre.

Noch während des Meetings gab es klärende Gespräche, die in eine völlige Neuausrichtung der IHTSDO mündeten: Auszüge aus dem Werk Snomed CT (Value Sets) und die dazugehörige Software wird innerhalb von Standards kostenfrei zur Verfügung gestellt. Eine Nutzung in Entwicklungsländern ist schon heute frei.

Die Vocabulary Gruppe arbeitet an den Pflegeprozessen zu dem Vocabular. Es wird eine zentrale Instanz in HL7 geben, die neue Konzepte in Snomed CT einbringen wird. Damit kann dann HL7 einen eigenen Namespace bestücken.
Daneben wurde über das „HL7 Snomed LOINC bundled license model“ (Bob Dolin) diskutiert. Weiteres dazu wird auf dem nächsten WGM besprochen.

Australien verfügt mittlerweile über Implementierungen von HL7 CDA mit Snomed CT, die über den Projektstatus hinausgehen. Hier sind Gespräche mit dem CIO dieser Implementierung, Herrn Andy Bond, ist anzuraten.

CDA Release 3

Die Wiederverwendbarkeit von Modellen und den damit verbundenen Inhalten ist ein großes Thema. Hierzu muss auch CDA erweitert werden, eine Reihe von Vorschlägen dazu liegt bereits vor.

Ein Thema ist „greenCDA“, eine vereinfachte XML-Darstellung von CDA. Hiermit sollen insbesondere Implementierungen vereinfachen werden, da eine Konvertierung in das Original-CDA-Format relativ einfach möglich ist.

Structured Documents + Templates

In verschiedenen Sitzungen, unter anderem auch mit Structured Documents, wurde über Fragen der Modellierung mit unterschiedlichen Ansätzen (Archetypes, Templates, DCM) gesprochen. Im Vordergrund steht hier zum einen die Vorgehensweise bei der Entwicklung und Abbildung von Modellen mit Domänenexperten zur Erfassung fachlicher Anforderungen und Informationsmodelle. Zum anderen wird eine Verbesserung der Wiederverwendbarkeit bereits entwickelter Modelle oder Modell-komponenten angestrebt.

Es gab Vorschläge zur Erfassung von Templates in einer Registry, zur einheitlichen formalisierten Beschreibung durch Metadaten bzw. eine formalisierte Beschreibung für die Abbildung auf RIM-Modelle und für die durch ein Modell begründeten Constraints. An dieser Stelle gibt es Berührungspunkte zu der angestrebten automatisierten Erstellung von CDA-Implementierungsleitfäden.

Zu letzterem Thema gibt es ein neues Projekt (Project Insight ID# 727) mit folgender Zielsetzung: "The scope of this project is to expand the CDA Template Tooling Project to facilitate the easy production of quality CDA Implementation Guides (IGs). The Model Driven Health Tools (MDHT) and Structured Modeling Development (SMD) tools will be evaluated for suitability to produce publishable CDA Implementation Guides. The Consent Directive IG and the CDA IG Consolidation Project will be used for this project." 

In einem Beispielprojekt soll untersucht werden, ob und wie sich openEHR Archetypen auf HL7 Artefakte und Vocabulary abbilden lassen. Aktuelle Projekte im Bereich DAM/DCM stellen ähnliche Anforderungen: Wie soll ein Modell, das außerhalb und (zunächst) unabhängig von RIM und HL7 vocabulary entwickelt und abgestimmt wurde abgebildet werden auf formalisierte HL7 Artefakte?

Maßgeblicher Inhalt von CDA Dokumenten ist der narrative Teil, der durch die maschinenlesbaren Entries "nur" unterstützt wird. In vielen Fällen wird der narrative Teil aus den zuvor (im Sinne des RIM oder ähnliches) strukturiert vorliegenden Daten generiert. Hier stellt sich die Frage, ob es einheitliche Regeln für die Abbildung von Entries auf den narrativen Teil geben sollte. Ein solches Vorgehen hat aber seine Grenzen, denn der narrative Teil ist in der Regel sehr stark durch den Anwendungsfall geprägt (zum Beispiel die Anzahl der darzustellenden Spalten in einer Tabelle, Auswahl der Spalten, Sortierung, Umgang mit "abnormal Flags").

Für die USA werden Szenarien beschrieben, in denen für die Anzeige von CDA aus verschiedenen Quellen ein Stylesheet verwendet wird, das ein einheitliches Erscheinungsbild für Dokumente aus verschiedenen Quellen zum Ziel hat. Es wird also nicht das "Originaldokument" angezeigt, sondern eine Variante, die vom Layout angepasst ist an die "Sehgewohnheiten" der Anwender.

Grahame Grieve stellte einen Ansatz aus ITS vor, bei dem XML-namespace- Mechanismen verwendet werden, um die explizite Wiederholung von OIDs in der XML-Repräsentation zu vermeiden. So wird z.B. einem Template ein bestimmter Namespace zugeordnet (im Kopf des Dokumentes) und in der Folge durch XML-Mechanismen auf diesen Namespace verwiesen.

Es gab eine kurze Diskussion über verschiedene Lösungsansätze zur Vereinheitlichung von Information im CDA-Header und zur Verwendung von CDA-Extensions im Header-Bereich.

Bei einer Klärung der verschiedenen Möglichkeiten, Optionalität in CDA zu beschreiben, wurde u.a. auf Frank Oemigs Papier verwiesen, das diese Fragen im Licht von IHE-Profilen darstellt.

Catherine Chronaki präsentierte iCARDEA, ein CDA-Projektes in Europa. Daraus ergab sich eine Diskussion über die Notwendigkeit von "Guidelines" zur praktischen Umsetzung von CDA-Implementierungen.

Eine Darstellungsoption von CDA in Webbrowsern ohne Nutzung externer Stylesheet wird von dem Projekt "self-displaying CDA" angestrebt. Dabei wird ein minimales CSS-Stylesheet einheitlich festgelegt und in das CDA eingebettet. Die Umsetzung würde etablierte Verfahren von W3C für die Darstellung verwenden.

Orders and Observations

Es wurde ein neues Projekt im Bereich Ernährung (Dietary) vorgestellt. Die Anforderungen unterscheiden sich von Pharmacy und Medication. Anwendungsfälle sind zum Beispiel die Beschrebung einer eiweißreduzierten Diät oder Ernährung von Nierenpatienten. Eingebracht wurde das Projekt von Margaret Dittloff (The CBORD Group, Inc), beteiligt sind zwei Hersteller aus USA. Das Projekt versteht sich aber nicht als US-spezifisch, Mitarbeit aus anderen Ländern ist erwünscht.
Bisher gibt es noch keine Implementierung. Zunächst soll die Komunikation innerhalb einer Institution betrachtet werden, es wird davon ausgegangen dass die Strukturen institutionsübergreifend sehr ähnlich sind. Einer der Schwerpunkte liegt im Bereich der Terminologie, denn die pharmakologischen Begriffe reichen nicht aus oder sind nicht zutreffend. Dosierungsbeschreibungen sind oft qualitativ (low gluten, high potassium). Spezielle Systeme für Diät-Management werden als FNMS (food and nutrition management system) bezeichnet. Der Bereich ist auch für die Gerätekommunikation interessant, denn es werden häufig Pumpen eingesetzt, z.B. für parenterale Ernährung.
 
Für das Common Product Model (CPM) fand die Auflösung der Abstimmungskommentare statt. Das CPM dient als gemeinsame Basis für verschiedene Projekte, unter anderem im regulatorischen Bereich wie die Meldung von Zwischenfällen (ICSR) und die Identifikation von Arzneimitteln (IDMP). Hier tauchte die Frage auf, wie mit unterschiedlichen Versionen der HL7 Datentypen umgegangen werden soll. ICSR verwendet Release 1 Datentypen, so dass IDMP auch R1 verwenden müsste. Es ergibt sich die Frage, ob es ein akzeptables Mapping zwischen beiden Versionen gibt. Vermutlich wird es keine Schwierigkeiten auf semantischer Ebene geben, jedoch ist zusätzlicher Aufwand bei der Implementierung zu erwarten. Beim CPM wird damit gerechnet, dass es durch die aktuellen Ballots noch Änderungen am Modell geben kann. Diese müssen dann auch in ICSR berücksichtigt werden. Aktuelle Arbeiten von PHER im Bereich Impfungen (Vaccination) werden möglicherweise auch Einfluss auf CPM im Bereich der Substanzen haben.

Schließlich wurden diverser Änderungsanträge für v2.8 diskutiert und abgestimmt.  Die meisten Änderungen betreffen die Nachrichten in Kapitel 13 für die Abbildung der laborinternen Gerätekommunikation. Trotz geringer Teilnehmerzahl gab es etliche interessante Diskussionen, zum Beispiel zu Fragen der Abbildung von semantischen und/oder hierarchischen Relationen zwischen einzelnen Observations (OBX) oder auch zur Frage der Notwendigkeit zusätzlicher Freitextanmerkungen in NTE-Segmenten. Die Change Requests werden im Wiki bereitgestellt: http://wiki.hl7.org/index.php?title=Category:OO_Open_V2.8_Change_Requests



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