Das WGM in Rio hatte knapp über 200 Besucher. Die Zahl der Besucher aus Süd-Amerika war sehr niedrig, was bedeutet, dass (diesmal) die Verwendung eines WGM für Marketing-Zwecke (lokale Besucher anzuziehen) im Grunde gescheitert ist. Das gleiche galt für das Treffen in Kyoto. HL7 wird die Rentabilität überprüfen, sowohl hinsichtlich der Produktivität sowie der Einnahmen der WGMs außerhalb von Nordamerika. Die einzigen, die sowohl produktiv als auch aus einer Umsatzperspektive Break-Even erreicht haben, waren Noordwijkerhout (Mai 2005) und Köln (Mai 2006).
Zum Thema Working Group Meetings außerhalb der USA ist zu vermelden, dass Sydney, Australien, als Austragungsort für das Working Group Meeting Januar 2011 geplant ist. Dennoch hängt das Stattfinden in Sydney noch von einigen Rahmenbedingungen ab, die aber in der nächsten Zeit geklärt werden. Kandidatenland für 2012 ist Frankreich. Sicherlich wurde auch wieder die Kritik deutlich, dass WGMs außerhalb der USA weniger besucht sind und vielleicht auch weniger effektiv sein könnten. Persönlich kann man nur anmerken, dass dies eben weiter „geübt“ werden muss. HL7 ist „International“ und kann dies auch durch Meetings unterstreichen, die außerhalb der USA stattfinden, wie dies bei anderen Standardisierungsorganisationen ebenfalls passiert. Das ISO TC 215 traf sich übrigens in der Woche vor dem WGM ebenfalls in Rio.
International Council
Besonders hervorzuheben
ist bei den internationalen Entwicklungen, dass das EU-Büro von HL7 Europa mit
Sitz in Brüssel eröffnet wurde (http://www.hl7.eu/, siehe Bericht HL7-Mitteilungen 26/2010). Noch
sind eine Reihe von Rechtsangelegenheiten zu erledigen, es ist zu hoffen, dass
das Office seine tatsächliche Funktion sehr bald vollends übernehmen kann. Dies
spielt sicher auch jetzt schon eine herausragende Rolle in Bezug auf kommende
(oder angelaufene) Projekte wie dem epSOS Projekt, wo es unter anderem um
elektronische Verordnungen geht.
Die Rolle eines "HL7 Europe" (derzeit nur eine
Postanschrift in Brüssel) insgesamt ist aber noch unklar. Es
ist die
Absicht, hier einen Kontaktpunkt zwischen der Europäischen Union (und
ihrer
Projekte: zB epSOS, das Mandat 403) und der HL7-Organisation zu
etablieren. Die
Beziehung zwischen den verschiedenen europäischen Affiliates und HL7
Europa wird
noch immer diskutiert, so wie das Mandat von HL7 Europa allgemein.
HL7
Norwegen
wurde ein offizielles Affilate. (Siehe Video auf
http://www.vimeo.com/12013066). Es muss noch TCs einrichten, Treffen
organisieren
etc.
Structured Documents
In dieser Arbeitsgruppe
wurde gleich zu Anfang der Woche der Dreijahresplan auf den neuesten Stand
gebracht.
Danach wurde ein ganzer
Nachmittag den verschiedenen Ansätzen zur Erzeugung von CDA Templates und dem
zugehörigen Tooling gewidmet. Die Model-Driven Health Tools (MDHT) CDA Tools
(siehe http://www.cdatools.com) sind grafisch orientiert, das vor allem mit
Zwischentransformationen zu Validierungsskripts kommt. Zugleich ist damit eine
grafische Dokumentation der Modelle gegeben. Basis ist UML, XML und Java. Einen
etwas anderen Ansatz verfolgt das auf dem Static Model Designer basierende und
von den Kollegen von HL7 UK propagierte Tool (siehe http://wiki.hl7.org/index.php?title=OHT_-_NHS_sponsored_Static_Model_Designer),
das ebenfalls grafisch orientiert ist und tabellenorientiert RIM-Attribute
nennen und einschränken kann. Auch hieraus können direkt Validierungstools
abgeleitet werden, zudem wird das erstellen der Implementierungsleitfäden damit
in besonderer Weise unterstützt.
Weiter wurden die
Bemühungen um greenCDA angesprochen, eine „vereinfachte“ CDA Version, aus der
aber in einem einzigen Schritt valide „volle“ CDA-Dokumente erzeugt werden
können. Damit soll vor allem das Erzeugen der Dokumente erleichtert werden.
Als weiteren Punkt stand
die Besprechung und Kommentierung zum Abstimmungsverfahren „Unstructured
Documents“ auf dem Programm.
Patient Care
Hier wurde vor allem die
Neuorientierung des gesamten Patient Care Arbeitspaketes für das kommende große
Abstimmungsverfahren diskutiert. Das Gesamtpaket wurde aufgeteilt, vor allem
der Bereich CarePlan wurde in Rio ausführlicher besprochen.
In einigen Joint Sessions
mit Structured Documents und Templates ging es natürlich auch um die
Validierung und Detailed Clinical Model, allerdings ohne dass dies zu einer
einheitlichen Sicht auf dieses Thema geführt hätte.
Das Material zu Scores&Assessments wird weiter aufbereitet und im nächsten Ballot zur Verfügung gestellt.
Order & Observations
Ein Teil der Zeit wurde
darauf verwendet um die Clinical Statements (CS) für die nächsten
Abstimmungsrunden durch Ausbreitung der vorhandenen Klassen vorzubereiten. Hier
spielten vor allem Allergien, Überempfindlichkeits- und
Unverträglichkeitsreaktionen eine Rolle, bisher noch nicht ausreichend
berücksichtigt im CS-Modell.
Die Orders
& Observations WG diskutiert einen Vorschlag für die Schaffung eines
"Auftrags
zur Erstellung eines Dokument". (Siehe
http://wiki.hl7.org/index.php?title=Order_interaction_for_the_creation_of_a_document).
Die vorgeschlagenen Interaktionen würden es einem Order Placer
ermöglichen,
einen „Arztbrief für Patient 123“ anzufordern. Dieser Vorschlag wurde
nun
tatsächlich abgeschlossen, das Material wird in der Common Order Domain
bereitgestellt. [Hinweis: IHE hat gerade einen
Vorschlag für ein verwandtes Profil: S3D erstellt]. OO
diskutierte auch
über das Behavioral-Modell (ein Aktivitätsdiagramm auf
Business-Prozess-Ebene)
zur Bestellung - ein etwas frustrierender Prozess wenn man bedenkt, dass
man
weder zu viele Details bereitstellen sollte, noch zu sehr auf der
abstrakten
Ebene zu bleiben. Es werden Fortschritte, wenn auch langsam, gemacht.
Education
Unter anderem fand ein
„Education Breakfast“ statt, auf dem die Pläne für die zukünftigen Educational
Summits und die kommenden Working Group Meetings besprochen wurden. Im Spektrum
der angebotenen Tutorials gibt es einige Änderungen, um den neueren
Entwicklungen bei HL7 International Rechnung zu tragen.Zudem sind im Laufe diesen Jahres einige so
genannte Free Webinars geplant, unter anderem zu CDA und Version 3.
Marketing
Die Marketing-WG (eine
Freiwilligen-Gruppe, die vom HL7-Vorstand
einberufen wurde) hat damit begonnen, an einem Marketing-Plan zu
arbeiten. Ein
Entwurf ist verfügbar
(siehe http://www.hl7.org/Library/Committees/marketing/HL7%20Marketing%20Plan%202010%20FINAL.doc), der wohl eher ein Kommunikations
denn ein Marketing-Plan ist. Ein Marketing-Plan sagt
etwas über die Positionierung von HL7 Produkten und der
HL7-Produktstrategie. Es
gab eine Reihe von Gesprächen während der Woche in Bezug auf die
Überschneidung
der Aufgaben zwischen der Education-WG (Tutorials, Educational Sessions)
und
Marketing (Ambassador-Präsentationen). Die Education WG hat sich der
Aufgabe verschrieben,
einen organisationsweiten Education-Plan zu schaffen, der die Arbeit der
Marketing
WG sowie der angeschlossenen Affiliates umfasst. Die
Erstellung solcher Pläne ist voller Fragen im Zusammenhang mit der
Internationalisierung der Organisation - sie können nicht geschrieben
werden,
als ob eine globale Organisation HL7 ist, und sie können auch nicht die
Mitgliedsorganisationen
als "Wettbewerber" zu HL7 International erwähnen.
RIMBAA
In der RIMBAA WG (die "HL7 v3 Implementierungs-Gruppe")
hat die Gruppe beschlossen, ihr Mission Statement zu aktualisieren (siehe
http://wiki.hl7.org/index.php?title=RIMBAA_Mission_and_Charter). Die Frage der HL7 Version 3
Serialisierung / Deserialisierung wurde zum Scope hinzuefügt, die Unterstützung
für die Java-Software-Implementierung SIG wurde entfernt - RIMBAA wird Dritte
in ihren Bemühungen unterstützen, um HL7 Version 3 Toolkits zu erstellen. Grahame
Grieve (der Haupt-Autor der Spezifikation von Datentypen) hat die wichtigsten
Unterschiede zwischen R1 und R2 Datentypen aus einer Perspektive eines Implementierers
präsentiert. Er fordert (neben anderen Hinweisen
und Tipps) alle Implementierer von Datentypen R1 auf, das II.scope Attribut zu
übernehmen. GTS.code (mit einem Code, um Timing anzugeben anstatt einer voll
strukturierten Zeitangabe bereitzustellen) sieht auch wie etwas aus, das man
vorab übernehmen könnte. Zwei Whitepaper zum
Thema "Code Generation" (ein Prozess, den fast alle v3 Implementierer
verwenden) wurden verabschiedet:
http://wiki.hl7.org/index.php?title=MIF_based_code_generation und http://wiki. hl7.org/index.php? title = Schema_based_code_generation.
InM WG
Die
InM WG erörterte die Kommentare zum HL7 Version 3 "Batch Wrapper" Ballot.
Dieser Wrapper wird produktiv von drei verschiedenen Projekten verwendet (eines
von ihnen ist Aorta, der niederländische NHIN). Obwohl
es einige Kommentare gibt, die zu Veränderungen führen werden, gab es keine
strittigen Fragen. Eine aktualisierte Version des Materials wird in den
nächsten Ballot aufgenommen werden. Wir
erwarten, dass das Material reif genug ist, um als normatives Material durchzugehen.
Implementation/Conformance
Die Gruppe hat zusammen mit dem ArB die neueste Fassung vom ECCF
(Enterprise Conformance and Compliance Framework) und das weitere
Vorgehen diskutiert. Nach der Diskussion in Tokio ist es umfänglich
überarbeitet worden und man kann festhalten, dass sich das jweilige
Verständnis über Compliance und Conformance annähern, dennoch sind
einige Grundlagen nicht verstanden bzw. korrekt wiedergegeben worden.
Dies soll über neue Kommentare nachgeholt werden.
Templates
Es
gibt laufende Gespräche über Templates und Template-basierte Validierung. Gespräche reichen von Ärzten (wie sollen klinischen
Modellen ausgedrückt und die Metadaten mit diesen Modellen verbunden werden), über
die CDA Autoren (wie sollen CDA-Vorlagen erstellt und getestet werden, die
derzeit meist in textueller Form ausgedrückt werden), ein Template Registry-Projekt
(Speichern und Abrufen von Templates und den dazugehörigen Metadaten),
den Werkzeugmachern (wie wird die Konformanz gestetet), zu der Kern-Methodik-Gruppe
innerhalb HL7 (Wie können wir Templates in MIF ausdrücken, als
"unvollständige Modelle"). Das alles weist auf die Tatsache hin, dass
wir Templates für die Validierung und Konformitätsprüfung brauchen. Es gibt Fortschritte, aber es gibt noch keine einzige
übergreifende Definition.
PA
Die
Patient Administration WG hatte eine Menge Diskussionen über Provider
Registries. Der HL7 V3 Standard enthält eine
Domäne zu diesem Thema; das Ziel ist es, die bestehenden v3 Artefakte mit durch
die SOA / HSSP neue definierten Service-Spezifikationen sowie dem australischen
Projekt zusammenzuführen. Der Schwerpunkt liegt auf Provider Registries,
es wird aber eingeräumt, dass es Ähnlichkeiten zwischen diesem und anderen
Registry-Typen (z. B. Patient, Lage sein) gibt.
HL7 UK NHS v2.x
Profiles
Während der sonntäglichen Sitzung hat HL7 UK Richard
Kavanagh (NHS) einige der Fragen diskutiert, auf die sie bei dem Versuch stießen,
das HL7 UK A.2 Profil mit den bestehenden Konformität Tools (wie MWB) zu
unterstützen. Das HL7 UK-Profil ist eine Mischung von HL7 v 2.4 und 2.5, mit (ehrm..)
"kreativen" Datentyp-Erweiterungen. Es wurde vorgeschlagen, dass HL7
UK möglicherweise das neue v2-Profil auf Basis der Version 2.6 aufzubauen. Dies
schien den meisten Anwesenden eine logische Sache zu sein, aber es wird eine Diskussion
in dem UK TSC benötigen.
HL7 v2.7
Es muss konstatiert werden, dass noch nicht alle Kommentare addressiert und aufgelöst sind. Einige davon sind sogar essentieller Natur, so dass es in Kürze zu einer erneuten Ballotrunde kommen wird.
Resüme
Alle regelmäßigen Teilnehmer (die "üblichen
Verdächtigen") waren auch in Rio. Eine kleine Gruppe von Teilnehmern hat
den Vorteil, dass man sich auf einige Kernfragen konzentrieren und diese mit den
Schlüssel-Personen klären kann, auf der anderen Seite bedeutet es, dass einige
Sitzungen nicht beschlussfähig sind, oder dass die Personen mit dem Know-how für einige
Diskussionen nicht vorhanden sind. Daher haben solche Treffen einmal im Jahr
wahrscheinlich keine Auswirkungen auf die Produktivität, es ist aber ein
größeres Publikum erforderlich, um Fortschritte in allen anstehenden Fragen zu
machen. Mal sehen, was wir in Cambridge USA machen..