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10 Jahre HL7-Benutzergruppe in Deutschland
von Joachim Dudeck September 2003
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Vor 10 Jahren wurde die HL7-Benutzergruppe in Deutschland gegründet. Grund genug für den Ehren-Vorsitzenden und langjährigen Präsidenten, Prof. Dr. Joachim Dudeck, einen Blick zurück zu wagen – und nach vorn.
Vor 10 Jahren, am 9. August 1993, wurde die HL7-Benutzergruppe in das Vereinsregister beim Registergericht in Gießen eingetragen. Aus den acht Gründungsmitgliedern, von denen noch immer vier in der Benutzergruppe mitarbeiten, ist eine eindrucksvolle Organisation mit nahezu 250 Mitgliedern geworden, davon 3 Förderer und über 140 korporative Mitglieder. HL7-Nachrichten sind in der Bundesrepublik der Standard für die Kommunikation in Krankenhausinformationssystemen.
Der Gründung vorausgegangen war eine sorgfältige Prüfung der Frage, ob das in den USA sich durchsetzende HL7-Konzept auch für die Bundesrepublik geeignet sein könnte. Daneben wurden ebenso sorgfältig auch die in Europa bei CEN beginnenden Entwicklungen von Nachrichten unter Verwendung von EDIFACT evaluiert. Die Ergebnisse zeigten, dass die HL7-Nachrichten auch den europäischen Anforderungen gerecht wurden und dass sie vor allem ohne größere Anpassungen kurzfristig einsetzbar waren. Demgegenüber wurde deutlich, dass die europä-ischen Entwicklungen voraussichtlich noch mehrere Jahre bis zur Einsatzfähigkeitbenötigen würden. Da für den zunehmenden Ausbau der Krankenhausinformationssysteme in der Bundesrepublik schnell anwendbare Lösungen benötigt wurden, fiel die Entscheidung zu Gunsten von HL7 aus. Langfristig waren damit die Entwicklungen in der Bundesrepublik und darüber hinaus vorgezeichnet.
Zur Unterstützung des Standards war es notwendig, eine geordnete Struktur für Anwender und Interessenten zu finden. Dies ist in Deutschland noch immer der eingetragene Verein. Die dafür notwendigen Formalitäten einschließlich Satzung etc. wurden mit der Eintragung in das Vereinsregister im August 1993 abgeschlossen. Der neue Verein wurde auf Wunsch des Registerbeamten in Gießen als „HL7-Benutzergruppe in Deutschland“ bezeichnet und nicht wie geplant „Deutsche HL7-Benutzergruppe“ genannt. Die neue na-tionale Benutzergruppe wurde von HL7 USA sehr begrüßt. 1995 wurde die HL7-Benutzergruppe in Deutschland offiziell als erste International Affiliate von HL7 USA anerkannt. Inzwischen gibt es global weit über 20 und allein in Europa elf HL7-Affiliates.
Eine der ersten Aufgaben der neuen HL7-Benutzergruppe war es, die Inhalte des Standards an deutsche Bezeichnungen anzupassen, so dass eine möglichst einheitliche Anwendung von HL7 in der Bundesrepublik gewährleistet ist. Diese Arbeiten konnten bereits im Frühjahr 1994 für die Version 2.1 abgeschlossen werden. Vergleichbare Anpassungen wurden im vergangenen Jahrzehnt für alle neuen HL7-Versionen mit nicht unerheblichem personellen Aufwand durchgeführt. Das Hotel „Freizeit In“ in Göttingen wurde zum allseits beliebten und geschätzten Tagungs- und Sitzungsort, eine Tradition, die wir auch weiter fortführen werden. Allen, die an diesen immer wieder notwendigen, oft sehr zeitraubenden und mühevollen Übertragungen und Anpassungen im Rahmen des Technischen Komitees mitgearbeitet haben, sei an dieser Stelle für die Bereitschaft und den Zeitaufwand gedankt. Ohne diesen Einsatz wäre die Entwicklung der HL7-Benutzergruppe nicht möglich gewesen. Inzwischen wurde das 1995 unter Leitung von Dr. Blobel aus der Taufe gehobene TC der „HL7-Benutzergruppe in Deutschland e.V.“ auf die drei TC „XML Anwendungen im Gesundheitswesen“ (Leitung: Dr. Heitmann), „Konformanz“ (Leitung: Herr Scholz) und „Version 3“ (Leitung: Dr. Blobel) ausgebaut.
Neben diesen Aufgaben war es eines der wichtigsten Ziele der Benutzergruppe, die Mitglieder regelmäßig über den HL7-Standard und über weitere Entwicklungen im Standardisierungsbereich zu informieren. Erste Ausgaben der HL7-Mitteilungen erschienen bereits 1994 zunächst noch in unregelmäßiger Folge. 1999 übernahm dann Herr Dr. Heitmann die Redaktion. Die HL7-Mitteilungen erhielten ein neues Gesicht, das inzwischen das Erscheinungsbild der HL7-Benutzergruppe nach innen und außen geprägt hat. Die dreimal im Jahr herausgegebenen HL7-Mitteilungen haben eine Auflage von 700 Stück und sind zum festen Bestandteil der Arbeit der Benutzergruppe geworden. Auch die Benutzergruppe Schweiz verteilt regelmäßig die Mitteilungen an ihre Mitglieder. Nach längeren Vorarbeiten erschien ebenfalls im Jahr 1999 die kurz und prägnant in die wesentlichen Inhalte des Standards einführende Broschüre „HL7-Kommunikationsstandard in der Medizin“, die weltweit auf große Resonanz gestoßen und die sowohl ins englische, japanische, tschechische, russische und litauische übersetzt worden ist. Sie hat ihren Zweck, insbesondere Neulingen und Managementkräften den Zugang zum Standard zu erleichtern, in vielfacher Form erfüllt. Die englische Auflage ist inzwischen vergriffen, eine Neuauflage in Vorbereitung.
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 | HL7-Mitteilungen in neuem Gewand, vom November 1999 (Nr. 5/1999) bis heute (15/2003)
Auch in der internen Entwicklung wurden deutliche Fortschritte erzielt. Die erste Satzung entsprach gerade den Grundforderungen des deutschen Vereinsrechts. Technische Komitees, Projektgruppen etc. waren nicht vorgesehen. Die Vorstandsregelung war relativ starr. Vom Vorstand wurde deshalb eine neue Satzung erarbeitet, die Technische Komitees und Projektgruppen vorsieht und die vor allem beim Vorstandsvorsitz ein Rotationsprinzip einführt, mit dem einerseits ein kontinuierlicher Wechsel im Vorstand erreicht, andererseits aber auch eine gewisse Kontinuität in der Verantwortung gewährleistet werden kann. Nach dieser Satzung wurde 2001 Herr PD Dr. Blobel als 1. Stellvertretender Vorsitzender gewählt, der satzungsgemäß im Oktober für zwei Jahre den Vorsitz der HL7-Benut-zergruppe übernehmen wird. Ein neuer1. Stellvertretender Vorsitzender muss auf der kommenden Mitgliederversammlung gewählt werden.
Eine weitere Satzungsänderung ist derzeit in Vorbereitung, in der im Vorstand zusätzlich zwei jeweils für zwei Jahre gewählte Beisitzer vorgesehen sind. Dies soll Mitgliedern der Benutzergruppe für eine begrenzte Zeit die Möglichkeit zur Mitarbeit im Vorstand und zur Übernahme von Verantwortung in der Benutzergruppe geben, auch wenn sie nicht direkt als Vorsitzende oder eine der anderen Funktionen übernehmen wollen. Damit können die Bürden des Vorstands auf breitere Schultern verteilt werden. Weiterhin ist in der neuen Satzung die Bildung von Arbeitsgemeinschaften zur Zusammenarbeit mit anderen Gruppen vorgesehen. Auch soll die jetzt einen mehrjährigen Prozess erfordernde Verabschiedung von Satzungsänderungen erleichtert werden.
Die HL7-Benutzergruppe war im vergangenen Jahrzehnt nicht nur national, sondern auch international tätig. Mehrere Mitglieder der Benutzergruppe waren regelmäßig im Fachbereich Gesundheitswesen des DIN vertreten. Durch die Mitarbeit in dem für die Standardisierung in der medizinischen Kommunikation zuständigen europäischen CEN TC 251 wurde vor allem versucht, Konfrontationen zwischen HL7 und den europäischen Standard Institutionen zu vermeiden. Dies ist leider nur teilweise gelungen. Zwar gibt es inzwischen ein „Memorandum of Understanding“ zwischen HL7 und TC 251. Eine wirkliche Zusammenarbeit ist aber zumindest im Bereich von Nachrichten nur sehr begrenzt erreicht worden. Der Versuch, die HL7 Version 2.4 als DIN Standard anzuerkennen, wurde durch einen Einspruch des Chairman des TC 251 verhindert. Inzwischen zeichnet sich sehr deutlich ab, dass die HL7-Nachrichten zum weltweiten, von der Industrie akzeptierten Standard geworden sind und dass es für andere Entwicklungen, selbst wenn sie exzellent sein sollten, kaum mehr realistische Chancen für eine industrielle Durchsetzung gibt. Dagegen könnten sich bei der Standardisierung der elektronischen Patientenakte, bei dem die europäischen Vorarbeiten weiter gediehen sind, zukünftig durchaus Kooperationen zwischen HL7 und TC 251 ergeben.
Auch im Rahmen des weltweit übergreifenden ISO TC 215, dem Technischen Komitee für die Kommunikation weltweit, war HL7 Deutschland vor allem durch die Herren PD Dr. Blobel und Dr. Norgall tätig, was zu einer Reihe von ISO Standards bei Vital Signs, Point-of-Care Systemen, Sicherheitsstandards etc. geführt hat. Ein besonderes Anliegen war hierbei die Anerkennung der Version 2.4 von HL7 als ISO Standard.
Innerhalb der Internationalen HL Benutzergruppen hat HL7 Deutschland einige wichtige Initiativen ergriffen. Die Einführungsbroschüre wurde bereits erwähnt. Wesentliches wurde durch Herrn Oemig beim Aufbau einer HL7-Datenbank geleistet. Nachdem mehrere Versuche zum Aufbau einer HL7-Datenbank in den USAnicht erfolgreich waren, widmete er sich der Aufgabe, den HL7-Standard in einer relationalen Datenbank abzubilden, so dassder Standard zukünftig aus der Datenbank generiert werden kann. Viele Fehler und Inkonsistenzen im Standard wurden dabei entdeckt, die Schritt für Schritt in den nachfolgenden Versionen korrigiert und behoben werden konnten. Aus kleinen Anfängen ist die heute einzige, weltweit anerkannte HL7-Datenbank geworden, die Grundlage vieler HL7-Entwicklungen war und die noch immer sehr breite Anwendung findet.
Auch bei der Entwicklung eines Styleguides für die Darstellung des Standards war Herr Oemig maßgeblich beteiligt. Die einzelnen Kapitel des Standards werden von jeweils anderen Technischen Komitees verfasst, was zu teilweise sehr unterschiedlichen Gestaltungen mit entsprechenden Problemen für den Anwender führte. Seit Einführung des Styleguides in der Version 2.3.1 haben alle Kapitel ein einheitliches Erscheinungsbild, was das Arbeiten mit dem Standard sehr erleichtert. Für seine vielfältigen Bemühungen um HL7 wurde Herr Oemig in 2002 als „Volunteer of the Year“ ausgezeichnet.

HL7-Datenbank für die Versionen 2.x von Frank Oemig
In mehreren Technischen Komitees (TC) und Special Interest Groups (SIG) von HL7 USA wurden Mitglieder der Deutschen HL7-Benutzergruppe als Co-Chairs gewählt: PD Dr. Blobel als Co-Chair in der Security and Accountability SIG sowie dem Personnel Management TC, Herr Oemig als Co-Chair im Personnel Management TC und Herr Dr. Heitmann als Co-Chair der XML SIG. Kapitel 15 des Standards – Personnel Management – wurdemaßgeblich von Herrn Blobel und Herrn Oemig, das neue Kapitel 16 (derzeit noch Anhang F) – Claims and Reimbursement von Herrn Oemig gestaltet. Dr. Heitmann war maßgeblich verantwortlich für die Spezifikation des XML Schemas für die Versionen 2.x, die mittlerweile als ANSI-Standard akkredidiert ist. Generell hat HL7 Deutschland sehr frühzeitig auf die Orientierung von HL7 in Richtung XML hingewirkt. Drei der vier offiziellen informellen Standards zur HL7-Sicherheit wurden von PD Dr. Blobel und Mitarbeitern erarbeitet.
1997 bis 1999 war Prof. Dudeck der erste Vertreter der Internationalen Affiliates im Board of Directors von HL7 USA. In dieser Funktion ist es ihm gelungen, das alljährliche HL7 Board Retreat zum ersten und wahrscheinlich auch zum einzigen Male außerhalb der Vereinigten Staaten im August 2000 in Dresden zu organisieren. Im Zusammenhang damit fand auch das erste Treffen der Internationalen Affiliates dort in Dresden statt. Damit wurde eine Tradition begründet, die zu weiteren Treffen der Internationalen Affiliates in Reading bei London in 2001 und Melbourne im vergangenen Jahr geführt hat. Dieses Jahr treffen sich die Internationalen Affiliates im Oktober in Daegu in Korea. 2002 wurde mit der ersten internationalen Konferenz zur Clinical Document Architecture (CDA) in Berlin eine hoffentlich ebenfalls weitergehende Tradition begründet.

Flyer zum ersten Treffen der International Affiliates in Dresden, August 2000.
Ein besonderes Anliegen der HL7-Benutzergruppe in Deutschland waren Kontakte zu unseren östlichen Nachbarländern. Seit Mitte der neunziger Jahre werden auch in diesen Ländern Krankenhausinformationssysteme aufgebaut, entstehen auch in diesen Ländern Anforderungen an die elektronische Kommunikation. Interessenten aus Russland, Tschechien, Ungarn etc. wurden zu unseren Tagungen eingeladen. 2001 organisierte die Benutzergruppe in Zusammenarbeit mit Ed Hammond, mehrfacher HL7 Chair, Klaus Veil, HL7 Australien und Vertreter der Internationalen Affiliates im Board of Directors von HL7 USA sowie Dr. Heitmann und Prof. Dudeck eine HL7 Roadshow durch fünf Osteuropäische Länder (Tschechien, Kroatien, Ungarn, Polen und Litauen), von denen drei inzwischen sehr aktive HL7-Benutzergruppen gebildet haben. In weiteren Kontakten wurden u. a. in Litauen und Kroatien Tagungen organisiert und unterstützt. HL7 wird diese Bemühungen auch in der Zukunft aufrecht erhalten.
In den ersten Jahren der HL7-Benutzergruppe standen die HL7-Nachrichten und deren verschiedene Versionen im Vordergrund des Interesses, obwohl auch stets den anderen bei HL7 inzwischen verankerten Standards Beachtung geschenkt wurde. So organisierte eine Projektgruppe unter Leitung von Frau Korch und Herrn Sojer eine Demonstration des CCOW Standards (Clinical Context Object Workgroup) auf der Medical Informatics Europe 2000 in Hannover. In den in der Regel stärker zentralisierten Krankenhausinformationssystemen in Deutschland konnte sich dieser in den USA inzwischen weit verbreitete Standard jedoch bisher nicht durchsetzen. Auch die Arbeiten zur Arden Syntax und der Clinical Guidelines SIG wurden aufmerksam verfolgt. Die Übertragung der Ergebnisse dieser HL7 TC‘s und SIG‘s für die Anwendung in der Bundesrepublik ist eine in der Zukunft vor uns liegende Aufgabe.
Während HL7 in den ersten Jahren sehr stark intern orientiert war, zeigt sich in den letzten Jahren zunehmend die Notwendigkeit zur Zusammenarbeit mit anderen, Standards entwickelnden Organisationen. Diese Tendenz kommt auch im Rahmenthema unserer diesjährigen Jahrestagung „Zukunftsaufgabe – Kooperation“ zum Ausdruck. Nahezu gleichzeitig haben sich in den letzten Jahren mehrere Kooperationsbereiche ausgebildet: die Zusammenarbeit im Rahmen der IHE-Initiative (Integrating the Healthcare Enterprise), die Zusammenarbeit in der SCIPHOX Arbeitsgemeinschaft und die sich anbahnende Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen (ZTG) in Krefeld bei der Entwicklung von Message Profiles und deren Zertifizierung.
Die IHE-Initiative strebt die workflow-mäßige Verbindung von HL7 und DICOM an. In kleinen Schritten wurden jährlich bestimmte Szenarien festgelegt, erfolgreich gelöst und auf großen Tagungen demonstriert, im vergangenen Jahr erstmals auch in der Bundesrepublik. HL7 Deutschland unterstützt diese Bemühungen uneingeschränkt. Herr Sachs hat die offizielle Repräsentation von HL7 in der IHE Initiative in Deutschland übernommen. Die Konzentration von IHE auf DICOM wurde inzwischen durch eine in Europa erstaunlicherweise von zwei Ländern ohne HL7- Benutzergruppe, Italien und Frankreich, ausgehende Initiative zur Festlegungvon Nachrichten-Profilen und Definitionen des Workflows bei HL7-Labornachrichten erweitert, die ebenfalls von HL7 Deutschland maßgeblich unterstützt wird.
HL7-Deutschland hat sich frühzeitig für die Anwendung von XML in HL7 eingesetzt. Unter maßgeblicher Mitarbeit von Herrn Dr. Heitmann wurden die DTDs und Schemas für die HL7-Version 2 Nachrichten (v2.xml) als auch danach die Schemas für die Clinical Document Architecture (CDA) entwickelt. Sie wurden innerhalb der HL7-Benutzergruppe USA verabschiedet, v2.xml als ANSI Standard akzeptiert. Die HL7-Nachrichten der Version 3 fußen ganz auf XML, bei der dazugehörigen Implementierungs-Spezifikation (ITS) hat Dr. Heitmann ebenfalls mitgewirkt. Die Übertragung des CDA-Ansatzes auf die Bundesrepublik führte zum SCIPHOX Konzept. Dabei wurde vor allem zunächst die Verbindung von Krankenhäusern und niedergelassenen Ärzten bearbeitet, um diese derzeit bestehende Lücke in der elektronischen Kommunikation auch für den Aufbau einer Telematik-Plattform mit modernen Technologien zu überwinden. Aus diesen Bemühungen hat sich eine enge Zusammenarbeit mit der Industrie insbesondere auch mit Praxiscomputer-Herstellern aber auch mit ärztlichen Standesorganisationen wie Kassenärztliche Bundesvereinigung und der KV-Nordrhein herausgebildet. Um dieser Zusammenarbeit eine festere Struktur zu geben, wurde gemeinsam mit dem Qualitätsring Medizinische Software QMS die SCIPHOX Arbeitsgemeinschaft GbR gegründet, die die Entwicklung und Validierung von SCIPHOX Dokumenten maßgeblich unterstützt. Die HL7-Benutzergruppe ist einer der Gesellschafter (siehe dazu auch unseren SCIPHOX-Beitrag in den HL7-Mitteilungen 15/2003). Für die Verabschiedung von Dokumenten wurde in Anlehnung an HL7 ein eigenes Abstimmungsverfahren innerhalb der Geschäftsordnung der SCIPHOX Arbeitsgemeinschaft definiert, so dass abgestimmte SCIPHOX Dokumente zukünftig freigegeben werden können. Die ersten Abstimmungsverfahren sind derzeit angelaufen.

Schließlich bahnt sich eine Zusammenarbeit mit der ZTG, dem Zentrum für Telematik im Gesundheitswesen in Krefeld an. Die ZTG ist am Aufbau einer Infrastruktur zur Zertifizierung von Nachrichten und Dokumenten sehr interessiert. Die HL7-Benutzergruppe möchte im Rahmen dieser Zusammenarbeit insbesondere die Zertifizierung von HL7-Nachrichten und Nachrichtenprofilen voranbringen und hat ihre Bereitschaft zur Zusammenarbeit geklärt. Weitere Details sind derzeit im Klärungs- und Abstimmungsprozess. Die Entwicklung von Nachrichten-Profilen nach häufig angewendeten Use Case wird als wichtige Voraussetzung für die Verbesserung der Konsistenz von HL7-Interfaces und deren Zertifizierung angesehen. Diese Arbeiten erfordern erheblichen Aufwand, der in Zusammenarbeit mit der ZTG geleistet werden soll.
HL7 Deutschland hat die Entwicklung von HL7-Version 3 bisher nur beobachtend verfolgt. Angesichts der knappen zur Verfügung stehenden Ressourcen schien es wichtiger, sich auf die bereits anwendbaren Versionen 2.x zu konzentrieren und im Rahmen der Verantwortlichkeiten in den USA an V3 mitzuarbeiten. In die Weiterentwicklung der Version 3 ist in den USA, aber auch in einigen Internationalen Affiliates (Niederlande, UK, Kanada etc.) in den letzten Jahren sehr viel Arbeit investiert worden. Inzwischen zeichnet sich eineStabilisierung des Referenz-Informations-Modells (RIM) ab. Immer mehr wird beim Umgang mit der Version 3 von HL7 auf Standardwerkzeuge übergegangen. Erste wirkliche Anwendungen des Version 3Ansatzes finden sich inzwischen in der Clinical Document Architecture Release 2. Damit ist die Zeit gekommen, dass auch HL7 Deutschland sich zukünftig stärker der Version 3 zuwenden muss, auch wenn in der praktischen Anwendung die Nachrichten der Versionen 2.x weiterhin im Vordergrund stehen werden.
Insgesamt kann die HL7-Benutzergruppe auf ein Jahrzehnt sehr erfolgreicher Tätigkeit zurückblicken. Sie hat erreicht, dass HL7 als Standard in der Bundesrepublik akzeptiert ist und dass auch andere Standardentwicklungen innerhalb von HL7, insbesondere die Clinical Document Architecture CDA, ihren Weg in deutsche Anwendungssysteme finden. Neue Aufgaben liegen vor uns, insbesondere die Mitarbeit bei der im Aufbau befindlichen Telematik-Plattform im deutschen Gesundheitswesen. Der Ausbau der elektronischen Kommunikation im Gesundheitswesen kann nur dann erfolgreich sein, wenn Kommunikationsstandards in weitem Maße eingesetzt werden. HL7 hat die Voraussetzungen dafür im vergangenen Jahrzehnt geschaffen. Die Benutzergruppe wird bei den vor uns liegenden Aufgaben alle Erfahrungen dieser Jahre zur Verfügung stellen.
Die erzielten Erfolge konnten nur durch den Einsatz vieler Freiwilliger erreicht werden. Dem scheidenden Vorsitzenden bleibt deshalb vor allem die Aufgabe, all denen, die maßgelblich an der Entwicklung und Verbreitung von HL7 in den vergangenen Jahren mitgewirkt haben, ein herzliches Dankeschön zu sagen. Meinem Nachfolger wünsche ich für die nicht leichten, vor HL7 Deutschland liegenden Aufgaben,viel Erfolg und alles Gute.
Joachim Dudeck |